Strafanzeige gegen Gemeinde Crans-Montana
Nach der schrecklichen Brandkatastrophe in der Bar “Le Constellation” des Wirte-Ehepars Jacques und Jessica Moretti am Neujahrstag wird am 09. Januar 2026 ein nationaler Trauertag abgehalten.
Nach einer Medienmitteilung der Bundesverwaltung wird der kommende Freitag, 9. Januar 2026, landesweit der Erinnerung an die Todesopfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana gewidmet.
“An diesem Trauertag lädt Bundespräsident Guy Parmelin zusammen mit den Schweizer Kirchen die Bevölkerung zu einer landesweiten Schweigeminute und einem Moment des Gedenkens ein. Im ganzen Land werden die Kirchenglocken läuten. In Martigny im Wallis findet an diesem Tag eine Gedenkzeremonie statt.”
Strafanzeige eingereicht
Am Tag der Medienkonferenz, in der Gemeindepräsident Nicolas Féraud vor der Öffentlichkeit einräumen musste, dass die gemeindliche Feuerpolizei seit 2019 keine weiteren Untersuchungen und Kontrollen in dem Betrieb “Le Constellation” durchgeführt hatte, habe nun auch ich Strafanzeige gegen die Betreiber der Bar, den Gemeindepräsidenten und den Gemeinderat, wie auch eventualiter gegen Verantwortliche des Kantons Wallis eingereicht.
eventualvorsätzliche Tötung durch Unterlassen
In dieser Strafanzeige, die der Staatsanwaltschaft des Kanton Wallis seit 07.Januar 2026 vorliegt heißt es unter anderem:
“Ein sechsjähriges Auslassen der gesetzlich vorgeschriebenen periodischen Brandschutzkontrollen in einem publikumszugänglichen Lokal begründet den Anfangsverdacht einer pflichtwidrigen Unterlassung im Sinne einer strafbaren Fahrlässigkeit; die konkrete strafrechtliche Zurechnung hängt von der organisatorischen Zuständigkeitskette, dem Nachweis der hypothetischen Kausalität (was eine ordnungsgemässe Kontrolle ergeben hätte und welche behördlichen Massnahmen mit welcher Wahrscheinlichkeit ergangen und befolgt worden wären) sowie von den konkreten Personen (Garantenstellung) ab.
Unterlassenstatbestand: Bei Garantenstellung aus Amtspflicht (Feuerpolizei/Fachaufsicht) kommt Strafbarkeit wegen Fahrlässigkeitsdelikten durch pflichtwidriges Unterlassen in Betracht, wenn Sorgfaltspflichten verletzt, Gefahr vorhersehbar und vermeidbar war und die hypothetische Kausalität besteht, dass ordnungsgemäße Kontrollen/Anordnungen (z. B. Materialauflagen, Pyrotechnikverbot, Fluchtwegsauflagen) den Erfolg mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verhindert hätten. Das RTS Video 2019 und die bekannte Brennbarkeit von Schaumstoffverkleidungen verstärken den Prüfungsmaßstab hinsichtlich Vorhersehbarkeit/Vermeidbarkeit. Die konkrete Zurechnung erfordert sachverständige Klärung.
Kantonale Verantwortlichkeit: Aufsichts-/Koordinationsverstöße des OCF/Departements sind straf- und haftungsrechtlich zu prüfen, namentlich bei Nichtergreifen von Maßnahmen trotz pflichtgemäßer Kenntnis möglicher erheblicher Gefahr oder bei ausbleibenden Reaktionen auf nicht behobene Mängel/fehlende Kontrollen.”
RTS Video aus 2019 belegt: man kannte die Gefahr!
RTS hat ein Video von 2019/2020 publiziert, in dem ein Bar Mitarbeiter Gäste vor der Nähe der Wunderkerzen zur Schaumstoffdecke warnt („Vorsicht vor dem Schaum!“). Dies deutet darauf hin, dass die Brandgefahr der Deckenmaterialien im Betrieb bekannt war – und verstärkt den Verdacht grober Fahrlässigkeit bis hin zu Eventualvorsatz auf Betreiberseite; zugleich drängt sich die Frage auf, ob solche Hinweise (oder entsprechende Wahrnehmungen) die Behörden (Gemeinde/Kanton) erreichten und pflichtgemäss hätten veranlassen müssen einzuschreiten.
Für die Betreiber der Bar intendiert die Aussage des Mitarbeiters «achtet auf den Schaum» Kenntnis von der Brennbarkeit der Akustikschaumplatten. Diese Kenntnis führt zwanglos zur Annahme eines Eventualvorsatzes, zumal in Kenntnis der Gefahr keine Abhilfe oder Verbesserung der Brandlast unternommen wurde, zumindest ist von grosser Fahrlässigkeit auszugehen.
Identifikation aller Opfer
Alle 40 Todesopfer des Brands in der Bar „Le Constellation“ sind mittlerweile identifiziert. Unter ihnen sind 21 Schweizer, 9 Franzosen (inkl. einer Doppelbürgerin), 6 Italiener, 1 Belgierin, 1 Portugiesin, 1 Rumäne und 1 Türke; das Alter reicht von 14 bis 39 Jahren, 20 waren Minderjährige.
Ermittlungen und Medien-Skandale
- Die Gérante Jessica Moretti soll laut italienischer Presse mit der Kasse geflohen sein, kurz nach Ausbruch des Feuers – Videos von Überwachungskameras werden geprüft. Dies nährt Spekulationen über einen kriminellen Hintergrund.
- Geplante Lockerungen des Brandschutzes im Wallis wurden auf Eis gelegt.
- Der Genfer Rechtsanwalt Romain Jordan bereitet nach einem Bericht von “Blick” eine Staatshaftungsklage vor